Diversity Voices Wien
- DC Wien
- vor 2 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
„Ältere LGBTIQ+-Personen sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft – mit vielfältigen Bedürfnissen, aber vor allem Erfahrungen und Ressourcen.“

Im Gespräch mit Brigitte Temel, Projektleitung im Institut für Konfliktforschung (IKF)
Altern betrifft uns alle. Doch nicht alle Menschen altern unter denselben Voraussetzungen. Für viele ältere LGBTIQ+-Personen sind Erfahrungen von Ausgrenzung, Diskriminierung und Einsamkeit bis heute Teil ihrer Lebensgeschichte. Genau hier setzt das Projekt „Gemeinsam altern unter dem Regenbogen“ des Instituts für Konfliktforschung (IKF) an. Im Rahmen unserer Reihe Diversity Voices Wien – Menschen, die Brücken bauen haben wir mit dem Projektteam über Vielfalt, gesellschaftliche Verantwortung und die besonderen Bedürfnisse älterer LGBTIQ+-Menschen gesprochen.
Wer seid ihr und wofür steht das Institut für Konfliktforschung?
Das Institut für Konfliktforschung (IKF) beschäftigt sich seit 1975 mit gesellschaftlichen und politischen Konflikten und entwickelt wissenschaftlich fundierte Lösungsansätze. Ein besonderer Schwerpunkt liegt heute auf Geschlechterforschung, sexueller und geschlechtlicher Vielfalt sowie geschlechtsbasierter Gewalt.
Mit dem Projekt „Gemeinsam altern unter dem Regenbogen“ setzt sich das IKF dafür ein, ältere LGBTIQ+-Personen sichtbar zu machen, soziale Isolation zu verhindern und neue Räume für Begegnung, Austausch und gegenseitige Unterstützung zu schaffen.
Für welche Menschen arbeitet ihr?
Im Mittelpunkt stehen ältere und hochaltrige LGBTIQ+-Personen in Wien. Gleichzeitig richtet sich das Projekt auch an Organisationen, Fachkräfte, die Community und alle Menschen, die sich für ein vielfältiges und solidarisches Miteinander einsetzen.
Welche Herausforderungen beschäftigen eure Zielgruppe besonders?
Viele ältere LGBTIQ+-Menschen erleben bis heute Barrieren, die für andere oft unsichtbar bleiben. Dazu gehören fehlende Begegnungsräume, eine teilweise nicht bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung – insbesondere für Trans*- und Inter*-Personen – sowie der Mangel an altersgerechten und diskriminierungsfreien Wohnangeboten.
Hinzu kommt, dass viele dieser Generation in einer Zeit aufgewachsen sind, in der Homosexualität kriminalisiert oder als Krankheit betrachtet wurde. Viele mussten ihre Identität jahrzehntelang verbergen und haben dadurch familiäre oder soziale Beziehungen verloren.
Was wird gesellschaftlich häufig übersehen?
Dass ältere LGBTIQ+-Menschen nicht nur besondere Bedürfnisse haben, sondern auch einen enormen Erfahrungsschatz mitbringen.
Sie sind Teil unserer Gesellschaft, haben Geschichte geschrieben und verdienen es, sichtbar zu bleiben – nicht nur während des Pride-Monats, sondern das ganze Jahr über.
Was bedeutet Diversität für euch?
Diversität bedeutet für uns, Menschen nicht auf eine Eigenschaft zu reduzieren.
Auch innerhalb der LGBTIQ+-Community gibt es ganz unterschiedliche Lebensrealitäten, Erfahrungen und Bedürfnisse. Vielfalt bedeutet deshalb, jeden Menschen als Individuum wahrzunehmen und Angebote so zu gestalten, dass möglichst viele daran teilhaben können.
Wo seht ihr den größten Handlungsbedarf?
Österreich hat beim Thema LGBTIQ+-Altern noch erheblichen Aufholbedarf.
Es braucht politische Rahmenbedingungen, altersgerechte Angebote und mehr Bewusstsein – sowohl in der Gesellschaft als auch innerhalb der Community selbst. Ziel muss es sein, älteren LGBTIQ+-Menschen echte Teilhabe und ein würdevolles Altern zu ermöglichen.
Warum ist Vernetzung für eure Arbeit so wichtig?
Viele engagierte Initiativen und Organisationen arbeiten bereits an ähnlichen Themen.
Durch Vernetzung entstehen neue Ideen, gemeinsame Lösungen und Synergien. Gerade in Zeiten knapper Ressourcen ist Zusammenarbeit der Schlüssel, um nachhaltige Angebote für ältere LGBTIQ+-Menschen aufzubauen.
Was bedeutet Zusammenarbeit im Diversity-Bereich für euch?
Vielfalt gelingt nur gemeinsam.
Für uns bedeutet Zusammenarbeit, gesellschaftliche Entwicklungen aus einer intersektionalen Perspektive zu betrachten und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Gerade in einer Zeit, in der Minderheiten wieder stärker unter Druck geraten, braucht es starke Netzwerke, gegenseitige Unterstützung und eine klare Haltung für Demokratie, Menschenrechte und Vielfalt.
Was motiviert euch, dranzubleiben?
Die vielen positiven Rückmeldungen und der Wunsch, der Wiener LGBTIQ+-Community etwas zurückzugeben.
Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, auch im Alter Teil einer Gemeinschaft zu sein und sich gesehen und willkommen zu fühlen.
Was gibt euch Hoffnung?
Dass sich in Wien immer mehr Menschen, Vereine und Organisationen gemeinsam dafür einsetzen, das Thema LGBTIQ+-Altern sichtbar zu machen.
Diese Zusammenarbeit zeigt, dass Veränderung möglich ist – wenn viele Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Gemeinsam für ein würdevolles Altern in Vielfalt
Das Gespräch mit dem Team des Instituts für Konfliktforschung zeigt eindrucksvoll, dass Vielfalt nicht an Altersgrenzen endet. Gerade ältere LGBTIQ+-Menschen brauchen Sichtbarkeit, Begegnung und Strukturen, die ihre Lebensrealitäten ernst nehmen.
Als Diversity Care Wien freuen wir uns, engagierte Initiativen wie „Gemeinsam altern unter dem Regenbogen“ sichtbar zu machen. Denn eine vielfältige Gesellschaft erkennt den Wert jedes Menschen – in jeder Lebensphase.
Zum Projekt

„Gemeinsam altern unter dem Regenbogen“ ist ein Projekt des Instituts für Konfliktforschung (IKF). Ziel ist es, ältere und hochaltrige LGBTIQ+-Menschen in Wien zu stärken, soziale Isolation zu reduzieren und nachhaltige Begegnungs-
und Unterstützungsangebote zu schaffen.
_edited.png)


