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Katharina Klajnert von GSK: Warum medizinischer Fortschritt menschliche Haltung braucht

vor 1 Stunde
5 Min. Lesezeit

GSK und ViiV Healthcare über moderne HIV-Therapien, gesellschaftliche Verantwortung und eine Versorgung, die den ganzen Menschen sieht.

Schwarz-Weiß-Porträt von Katharina Klajnert, Head of Market Access & CGA bei GSK.
Foto: Katharina Klajnert  © Klaus Ranger | Hintergrund- und S/W-Bearbeitung: Diversity Care Wien


„Unser Ziel ist, dass Therapieentscheidungen nicht über Menschen hinweg, sondern gemeinsam mit ihnen getroffen werden.“ - Katharina Klajnert

Medizinisch hat sich die HIV-Therapie in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. HIV ist heute behandelbar, Therapieformen werden individueller und viele Menschen mit HIV können ein selbstbestimmtes Leben führen. Doch gesellschaftlich halten sich noch immer Vorurteile, überholte Bilder und Berührungsängste.

Im Gespräch mit Diversity Care Wien spricht Katharina Klajnert, Head of Market Access & CGA, über das Engagement von GSK und ViiV Healthcare. Sie erklärt, warum medizinische Innovation allein nicht ausreicht, welche Bedeutung psychosoziale Unterstützung und starke Netzwerke haben und weshalb Menschen mit HIV aktiv in Entscheidungen über ihre Versorgung einbezogen werden müssen.

GSK und ViiV Healthcare engagieren sich seit vielen Jahren im HIV-Bereich. Welche gesellschaftliche Verantwortung ist für Sie damit verbunden?

Engagement im HIV-Bereich bedeutet aus unserer Sicht weit mehr als medizinische Innovation. Es geht auch darum, Verantwortung für Menschen zu übernehmen, die trotz großer therapeutischer Fortschritte weiterhin mit Stigma, Vorurteilen oder sozialer Ausgrenzung konfrontiert sind.

Unser Anspruch ist es, dazu beizutragen, dass Menschen mit HIV in Österreich bestmöglich versorgt werden und ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. Dafür müssen wir zuhören, Bedürfnisse ernst nehmen und gemeinsam mit Ärzt:innen, Pflege, Beratungsstellen und Community-Organisationen an einer Versorgung arbeiten, die unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigt.

Die medizinischen Fortschritte in der HIV-Therapie waren in den vergangenen Jahrzehnten enorm. Welche Entwicklungen haben aus Ihrer Sicht das Leben von Menschen mit HIV besonders verändert?

Die Entwicklung der HIV-Therapie ist eine der großen Erfolgsgeschichten der modernen Medizin: von frühen Kombinationstherapien über Single-Tablet-Regime bis hin zu heutigen Therapieoptionen mit weniger Wirkstoffen oder langwirksamen Ansätzen in Form von Injektionstherapien.

HIV ist heute für viele Betroffene eine chronische, behandelbare Erkrankung. Gleichzeitig geht es längst nicht mehr nur um virologische Kontrolle, sondern auch um Lebensqualität, Alltagstauglichkeit und persönliche Präferenzen.

Entscheidend ist, dass Menschen mit HIV gemeinsam mit ihren behandelnden Ärzt:innen besprechen können, welche Therapieform zu ihrem Leben, ihren Bedürfnissen und ihren langfristigen Zielen passt.

Es braucht Aufklärung gegen veraltete Bilder von HIV

Trotz dieser Fortschritte erleben Menschen mit HIV weiterhin Vorurteile und Diskriminierung. Wo sehen Sie heute die größten gesellschaftlichen Herausforderungen?

Eine der größten Herausforderungen ist, dass gesellschaftliche Vorstellungen von HIV häufig noch von veraltetem Wissen geprägt sind. Viele Menschen wissen zu wenig über die heutigen medizinischen Möglichkeiten und über das Leben mit HIV. Dadurch bleiben Unsicherheit, Angst und Vorurteile bestehen.

Für Betroffene kann das bedeuten, dass sie ihre Diagnose verbergen, aus Sorge vor Zurückweisung nicht offen sprechen oder medizinische und psychosoziale Angebote zu spät in Anspruch nehmen. Stigma wirkt damit nicht nur gesellschaftlich, sondern kann ganz konkrete Auswirkungen auf Gesundheit, Wohlbefinden und Versorgung haben.

Deshalb müssen medizinischer Fortschritt und gesellschaftliche Aufklärung immer gemeinsam gedacht werden.

Welche Bedeutung haben Aufklärung, Prävention und ein offener Umgang mit HIV, um Stigmatisierung nachhaltig abzubauen?

Aufklärung ist zentral, weil Wissen Sicherheit schafft. Wer versteht, wie HIV heute behandelt wird, wie Prävention funktioniert und welche Bedeutung regelmäßige Versorgung hat, begegnet Menschen mit HIV häufig mit weniger Berührungsängsten.

Gleichzeitig braucht es einen offenen und respektvollen Umgang mit HIV, der Scham abbaut und Gespräche ermöglicht. Prävention bedeutet aus unserer Sicht nicht nur medizinische Information, sondern auch Zugang, Vertrauen und niederschwellige Kommunikation.

Kampagnen und Gesprächsangebote können dabei helfen, HIV aus der Tabuzone zu holen und Menschen zu ermutigen, Fragen zu stellen, sich testen zu lassen und frühzeitig Versorgung in Anspruch zu nehmen.

Den ganzen Menschen in den Mittelpunkt stellen

Viele Menschen mit HIV leben zusätzlich mit psychischen Belastungen, Einsamkeit oder schwierigen sozialen Lebensumständen. Wie wichtig ist es, medizinische und psychosoziale Versorgung gemeinsam zu denken?

Das ist sehr wichtig. HIV betrifft nicht nur Laborwerte oder Therapiepläne, sondern immer den ganzen Menschen. Psychische Belastungen, Einsamkeit, Diskriminierungserfahrungen, finanzielle Unsicherheit oder instabile Lebenssituationen können den Umgang mit einer chronischen Erkrankung erheblich erschweren.

Deshalb braucht es eine Versorgung, die medizinische und psychosoziale Aspekte miteinander verbindet. Menschen mit HIV müssen sich gesehen und ernst genommen fühlen – auch mit Themen, die über die reine Medikamenteneinnahme hinausgehen.

Gerade hier sind gute Kommunikation, Vertrauen und ein ganzheitlicher Blick entscheidend, damit Menschen mit HIV langfristig gut begleitet werden können.

Welche Rolle spielen dabei starke Netzwerke zwischen Ärzt:innen, Pflegeorganisationen, Beratungsstellen, Community-Organisationen und forschenden Unternehmen?

Starke Netzwerke sind essenziell, weil keine einzelne Institution alle Bedürfnisse allein abdecken kann. Ärzt:innen bringen medizinische Expertise ein, Pflegekräfte erleben häufig sehr unmittelbar, welche Herausforderungen Menschen im Alltag haben, und Beratungsstellen sowie Community-Organisationen schaffen Vertrauen, Orientierung und sichere Räume für Gespräche.

Forschende Unternehmen können wissenschaftliche Erkenntnisse einbringen und Materialien, Projekte sowie Initiativen unterstützen, die Kommunikation und Versorgung verbessern.

In Österreich arbeiten wir seit vielen Jahren eng mit den regionalen Aids-Hilfen und weiteren Community-Organisationen zusammen. Neben dem regelmäßigen fachlichen Austausch fördern wir ausgewählte Projekte und Veranstaltungen, die Aufklärung, Beratung und die selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit HIV stärken.

Entscheidend ist für uns eine transparente Zusammenarbeit auf Augenhöhe, bei der die inhaltliche Unabhängigkeit der Organisationen gewahrt bleibt und die Erfahrungen von Menschen mit HIV in gemeinsame Lösungen einfließen.

Entscheidungen gemeinsam treffen

Gibt es ein Projekt oder eine Initiative im HIV-Bereich, auf die Sie besonders stolz sind oder die Ihnen persönlich besonders am Herzen liegt?

Besonders wichtig sind uns Initiativen, die die Stimmen von Menschen mit HIV stärker in den Mittelpunkt stellen. In Österreich beschäftigen wir uns intensiv damit, wie Gespräche zwischen Menschen mit HIV und ihren Behandlungsteams verbessert und Therapieentscheidungen gemeinsam getroffen werden können.

Dazu gehören Gesprächsansätze und Materialien, die Ärzt:innen und andere Gesundheitsfachkräfte dabei unterstützen, neben medizinischen Parametern auch individuelle Bedürfnisse, Sorgen und Präferenzen offen anzusprechen.

Die THRIVE-Kampagne verfolgt genau dieses Ziel: Sie soll Menschen mit HIV darin bestärken, ihre Fragen und Wünsche aktiv in Gespräche über ihre Versorgung einzubringen.

Auch Podcast-Folgen zum Thema HIV machen Erfahrungsberichte, Wissen und unterschiedliche Perspektiven von Menschen mit HIV zugänglich. Sie können dazu beitragen, offener über das Leben mit HIV zu sprechen.

Unser Ziel ist, dass Therapieentscheidungen nicht über Menschen hinweg, sondern gemeinsam mit ihnen getroffen werden.

Was motiviert Sie persönlich, sich in Ihrer täglichen Arbeit für Menschen mit HIV einzusetzen, und was wünschen Sie sich für deren Zukunft in Österreich?

Mich motiviert, dass wir im HIV-Bereich unmittelbar sehen, wie sehr medizinischer Fortschritt und menschliche Haltung zusammengehören. Es geht um Forschung und Innovation, aber ebenso um Respekt, Würde und Selbstbestimmung.

Moderne HIV-Therapien haben das Leben vieler Menschen bereits stark verändert. Langwirksame Ansätze zeigen, wie sehr sich Versorgung heute an individuellen Bedürfnissen orientieren kann: Für geeignete Patient:innen kann sich die Therapie mittels langwirksamer Injektionstherapien von einer täglichen oralen Einnahme auf einen zweimonatlichen Behandlungsrhythmus reduzieren – also auf etwa sechs Termine pro Jahr.

Das ist nicht nur ein medizinischer Fortschritt, sondern kann auch im Alltag, im Umgang mit Stigma und für das persönliche Wohlbefinden relevant sein.

Mein Wunsch ist, dass Menschen mit HIV in Österreich ohne Angst vor Vorurteilen leben können und eine Versorgung erhalten, die zu ihrem Leben passt. Was wir aus dem Gespräch mitnehmen können

Medizinischer Fortschritt entfaltet seine volle Wirkung erst dann, wenn er die individuellen Lebensrealitäten der Menschen berücksichtigt. Eine zeitgemäße HIV-Versorgung braucht deshalb gemeinsame Entscheidungen, verständliche Informationen und Raum für persönliche Bedürfnisse.

Ebenso deutlich wird: Stigmatisierung ist nicht nur ein gesellschaftliches Problem. Sie kann Menschen davon abhalten, offen über ihre Diagnose zu sprechen oder rechtzeitig Unterstützung anzunehmen. Aufklärung, respektvolle Kommunikation und niederschwellige Angebote sind daher wesentliche Bestandteile einer guten Versorgung.

Keine Institution kann sämtliche medizinischen, pflegerischen und psychosozialen Herausforderungen allein bewältigen. Dafür braucht es starke Netzwerke, eine transparente Zusammenarbeit auf Augenhöhe und die aktive Einbindung von Menschen mit HIV.

Für Diversity Care Wien bestätigt dieses Gespräch, wie wichtig die Verbindung von medizinischer, pflegerischer und psychosozialer Begleitung ist. Genau dort entstehen tragfähige Brücken: zwischen Fachwissen und Alltag, zwischen Institutionen und Communitys sowie zwischen moderner Therapie und menschlicher Zuwendung.


Danke

Wir danken Katharina Klajnert sowie GSK und ViiV Healthcare herzlich für ihre Zeit, ihre Offenheit und die wertvollen Einblicke in die medizinischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im HIV-Bereich.

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