Diversity und Inklusion bei UNIQA: Wie faire Chancen entstehen
- DC Wien
- vor 18 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Inklusion beginnt nicht im Leitbild – sondern dort, wo Menschen wirklich gesehen werden.

Was bedeutet es, wenn Menschen im Berufsleben wirklich gesehen werden? Wenn nicht nur Leistung zählt, sondern auch Lebensrealität, Zugehörigkeit, Barrierefreiheit und die Frage: Wer bekommt faire Chancen?
Für unsere Reihe Diversity Voices Wien haben wir mit Kerstin Kvapil, Diversity & Inclusion Project Managerin bei UNIQA, gesprochen. In ihrer Arbeit setzt sie sich vor allem für die Themen Menschen mit Behinderung sowie Beruf & Familie ein. Sie beschäftigt sich damit, Barrieren abzubauen und ein Arbeitsumfeld mitzugestalten, in dem Menschen ihre Stärken einbringen können.
Im Gespräch spricht sie über Chancengleichheit, Inklusion, Vereinbarkeit, Verantwortung von Unternehmen und darüber, warum Vielfalt nicht bei Leitbildern enden darf, sondern im Alltag spürbar werden muss.
Was hat Sie beruflich geprägt und wofür stehen Sie persönlich?
Geprägt haben mich vor allem die vielen Begegnungen mit Menschen, die ganz unterschiedliche Lebensrealitäten und Erfahrungen mitbringen.
Dabei wurde mir immer wieder bewusst, wie viel Potenzial entstehen kann, wenn Menschen faire Chancen erhalten und sich zugehörig fühlen.
Ich stehe für Offenheit, Respekt und Chancengleichheit. Besonders wichtig ist mir, den Blick auf Menschen und ihre individuellen Stärken zu richten – und auch jene Perspektiven sichtbar zu machen, die im Arbeitsalltag oft weniger Beachtung finden.
Welche Werte sind Ihnen in Ihrer Arbeit besonders wichtig?
Respekt und Wertschätzung bilden für mich die Grundlage jeder guten Zusammenarbeit.Ebenso wichtig ist mir die Bereitschaft, Bestehendes zu hinterfragen und Veränderungen anzustoßen, wenn sie Menschen den Arbeitsalltag erleichtern.
Gute Arbeit bedeutet für mich deshalb nicht nur wirtschaftlich erfolgreich zu sein, sondern auch Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, mit denen und für die wir arbeiten.
Was bedeutet Diversität für Sie ganz konkret?
Diversität bedeutet für mich, Unterschiede nicht nur anzuerkennen, sondern sie bewusst als Bereicherung zu sehen. Menschen bringen unterschiedliche Erfahrungen, Fähigkeiten und Blickwinkel mit – genau das macht Teams stärker.
Ob Diversität wirklich gelebt wird, zeigt sich für mich im Alltag: Wer wird gehört? Wer kann sich einbringen? Wer erhält die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten?
Erst wenn diese Fragen positiv beantwortet werden können, wird aus einer guten Haltung gelebte Praxis.
Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf in Gesellschaft, Wirtschaft oder Arbeitswelt?
Beim Thema Inklusion und Barrierefreiheit gibt es nach wie vor viel zu tun.
Viele Menschen mit Behinderung stoßen im Alltag und im Berufsleben noch immer auf Hindernisse – manchmal baulicher oder technischer Art, oft aber auch aufgrund fehlenden Wissens oder bestehender Vorurteile.
Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird häufig noch als individuelles Thema betrachtet. Tatsächlich betrifft sie alle Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen.
Unternehmen sind daher gefordert, Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass unterschiedliche Lebensrealitäten mitgedacht werden. Davon profitieren letztlich alle.
Welche Verantwortung tragen Unternehmen aus Ihrer Sicht für ein respektvolles und inklusives Miteinander?
Unternehmen sind Teil unserer Gesellschaft und gestalten diese aktiv mit. Deshalb können sie viel dazu beitragen, dass Menschen respektvoll zusammenarbeiten und sich zugehörig fühlen. Das beginnt bei einer Unternehmenskultur, die Diskriminierung keinen Platz lässt, und reicht über faire Entwicklungsmöglichkeiten und leistungsgerechte Bezahlung bis hin zu konkreten Maßnahmen für Chancengleichheit, Inklusion und Vereinbarkeit.
Entscheidend ist für mich, dass man diese Haltung auch im Arbeitsalltag spürt – und nicht nur in Leitbildern oder auf der Unternehmenswebsite liest.
Welche Initiativen, Werte oder Schwerpunkte von UNIQA passen aus Ihrer Sicht besonders gut zu diesem Thema?
Bei UNIQA verstehen wir Gesundheit und ein gutes Leben nicht nur als individuelle Themen, sondern auch als gesellschaftliche Verantwortung.
Unsere JEDI-Initiative – Justice, Equity, Diversity & Inclusion – verfolgt das Ziel, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich alle willkommen fühlen und ihre Fähigkeiten bestmöglich einbringen können.
Dazu gehören Maßnahmen für Barrierefreiheit und Inklusion, Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Netzwerke wie unser Frauennetzwerk oder LightUp! für die LGBTIQ+ Community und ihre Allies. Sie fördern den Austausch und machen unterschiedliche Perspektiven im Unternehmen sichtbar.
Ich selbst begleite die Themen Menschen mit Behinderung sowie Beruf & Familie. Besonders schätze ich, dass aus guten Ideen konkrete Maßnahmen entstehen und eine inklusive Kultur im Arbeitsalltag erlebbar wird.
Warum ist Vernetzung zwischen Unternehmen, sozialen Organisationen und der Zivilgesellschaft wichtig?
Keine Organisation kann gesellschaftliche Herausforderungen allein lösen.
Unternehmen, soziale Organisationen und die Zivilgesellschaft bringen unterschiedliche Erfahrungen und Kompetenzen mit. Wenn diese zusammenkommen, entstehen nachhaltigere Lösungen.
Gerade im Bereich Inklusion erlebe ich immer wieder, wie wertvoll der Austausch ist. Er hilft dabei, voneinander zu lernen, Vorurteile abzubauen und neue Blickwinkel einzunehmen.
Was braucht es, damit Zusammenarbeit im Diversity-Bereich wirklich Wirkung entfalten kann?
Aus meiner Sicht braucht es Offenheit, gegenseitiges Vertrauen und echtes Interesse an den Erfahrungen anderer. Gute Zusammenarbeit entsteht dort, wo Menschen einander zuhören und unterschiedliche Sichtweisen als Bereicherung verstehen.
Damit Vielfalt und Inklusion nachhaltig wirken können, braucht es aber auch ein klares Bekenntnis der Führung. Entscheidend ist, dass sich diese Werte nicht nur in Worten zeigen, sondern auch in den Abläufen und Prozessen eines Unternehmens widerspiegeln.
Außerdem braucht Veränderung Zeit. Vielfalt und Inklusion sind keine Projekte mit einem Enddatum, sondern Themen, die kontinuierliche Aufmerksamkeit und Weiterentwicklung erfordern.
Was motiviert Sie, dranzubleiben?
Mich motivieren die Menschen, die durch kleine oder große Veränderungen bessere Chancen erhalten. Besonders freue ich mich über Rückmeldungen von Teilnehmenden, die nach einer von mir organisierten Veranstaltung erzählen, dass sie neue Denkanstöße mitgenommen oder ihre Sichtweise auf ein Thema verändert haben.
Solche Momente zeigen mir, dass sich Engagement lohnt.
Außerdem bin ich überzeugt, dass vielfältige Teams bessere Entscheidungen treffen und Unternehmen dadurch langfristig erfolgreicher sind.
Was gibt Ihnen Hoffnung?
Hoffnung geben mir die vielen Menschen, die sich tagtäglich für ein respektvolles und inklusives Miteinander einsetzen.
In meiner Arbeit begegne ich engagierten Kolleg:innen, Netzwerken und Organisationen, die Verantwortung übernehmen und Dinge verändern.
Was wir als Diversity Care Wien daraus mitnehmen
Das Gespräch mit Kerstin Kvapil zeigt sehr klar: Inklusion entsteht nicht allein durch gute Absichten. Sie braucht Strukturen, Räume, konkrete Maßnahmen – und Menschen, die bereit sind, bestehende Abläufe immer wieder zu hinterfragen.
Für Diversity Care Wien ist dieser Gedanke besonders wichtig. Auch in der Pflege und Begleitung erleben wir täglich, dass Menschen unterschiedliche Voraussetzungen, Lebensrealitäten und Bedürfnisse mitbringen. Wer Unterstützung braucht, braucht nicht nur fachliche Versorgung. Menschen brauchen auch Respekt, Verständnis, Barrierefreiheit und das Gefühl, nicht zusätzlich bewertet oder ausgeschlossen zu werden.
Besonders stark ist für uns der Gedanke, dass Vereinbarkeit, Behinderung, Gesundheit, Familie und Lebensphasen keine Randthemen sind. Sie betreffen Menschen mitten im Alltag – im Beruf, zu Hause, in Beziehungen und in Situationen, in denen Unterstützung besonders wichtig wird.
Wir nehmen aus diesem Gespräch mit: Vielfalt wird dort glaubwürdig, wo sie im Alltag spürbar ist. In Entscheidungen. In Arbeitsbedingungen. In Führung. In Netzwerken. In Sprache. Und in der Bereitschaft, zuzuhören und gemeinsam bessere Lösungen zu entwickeln.
Über Kerstin Kvapil
Kerstin Kvapil ist Diversity & Inclusion Project Managerin bei UNIQA. Sie setzt sich vor allem für die Themen Menschen mit Behinderung sowie Beruf & Familie ein. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich damit, Barrieren abzubauen und ein Arbeitsumfeld mitzugestalten, in dem alle ihre Stärken einbringen können.
Diversity Care Wien bedankt sich herzlich bei Kerstin Kvapil und UNIQA für die offenen Einblicke und die wertvolle Perspektive auf Inklusion, Chancengleichheit, Barrierefreiheit, Vereinbarkeit und gesellschaftliche Verantwortung.
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