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Diversity Voices Wien

Zuhause für alle: Warum Inklusion im Alltag beginnt


Foto: Nicole Steger ©IKEA Austria | Hintergrund- und S/W-Bearbeitung Diversity Care Wien
Foto: Nicole Steger ©IKEA Austria | Hintergrund- und S/W-Bearbeitung Diversity Care Wien

Was bedeutet es, sich wirklich zu Hause zu fühlen? Nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch am Arbeitsplatz, im Alltag und in einer Gesellschaft, die Menschen in ihrer Vielfalt sieht?


Für unsere Reihe Diversity Voices Wien haben wir mit Nicole Steger, Equality, Diversity & Inclusion Leader bei IKEA Österreich, gesprochen. Sie verfügt über langjährige Erfahrung bei IKEA Österreich und bringt umfassende Expertise im Bereich People & Culture mit. In ihrer aktuellen Funktion verantwortet sie österreichweit die Themen Vielfalt, Inklusion und Gleichbehandlung und setzt sich für eine offene, respektvolle und chancengerechte Unternehmenskultur ein. Darüber hinaus ist sie seit vielen Jahren als Arbeitspsychologin beim entsprechenden Berufsverband gelistet.

Im Gespräch erzählt Nicole Steger, warum Vielfalt bei IKEA kein Projekt ist, sondern Teil der DNA, warum ein Zuhause für viele Menschen mehr ist als ein Ort – und weshalb echte Veränderung oft außerhalb der eigenen Komfortzone beginnt.

Was hat Sie beruflich geprägt und wofür stehen Sie persönlich?

Als ich im Jahr 2005 meine Arbeit bei IKEA begonnen habe, hat mich das damalige Credo „Dare to be different“ sehr inspiriert – heute ist das ein zentraler Wert in der Unternehmenskultur.

Ich durfte damals unseren ersten Lehrling mit Tattoos, Piercings und knallpinken Haaren begrüßen, und es war selbstverständlich, dass wir die unterschiedlichen Aspekte der Vielfalt auch im Arbeitsalltag leben und umsetzen.

Außerdem freut es mich immer, wenn ich Menschen als Mentorin auf ihrem beruflichen Weg begleiten und Möglichkeiten aufzeigen kann, an die sie selbst manchmal nicht denken.

Ich habe das für mich in einem – so finde ich – sehr schönen Satz zusammengefasst:

The magic happens outside of the comfort zone.

Welche Werte sind Ihnen in Ihrer Arbeit besonders wichtig?

Die drei wichtigsten Werte sind für mich die Gemeinsamkeit, also „Togetherness“, die in unserer Arbeit bei IKEA für Kreativität und Spaß sorgt.

Dann unser Credo „Dare to be different“, das uns mutig neue Wege gehen lässt und die sehr positive Fehlerkultur prägt.

Und ein Wert, der in der englischen Sprache als „Being on the way“ formuliert ist. Damit ist gemeint, dass man offen für Veränderungen ist und Menschen dabei verantwortungsvoll und professionell unterstützt, Veränderungen gemeinsam gut zu meistern.

Wofür steht IKEA Österreich, wenn es um Vielfalt, Inklusion und gesellschaftliche Verantwortung geht?

Unsere Haltung ist klar und unerschütterlich – auch wenn uns derzeit wieder ein kälterer gesellschaftlicher Wind entgegenbläst.

Wir sind stolz auf ein Team, in dem Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Erfahrungen und Perspektiven zusammenarbeiten. Jeden Tag setzen wir uns dafür ein, dass alle Stimmen gehört werden und sich jede einbezogen und respektiert fühlt.

Dabei nehmen wir auch unsere Verantwortung wahr, die Vielfalt der Gesellschaft innerhalb unseres Unternehmens sichtbar zu machen. So sind 50 Prozent unserer Führungskräfte Frauen. Der intern erhobene Anteil ethnischer Vielfalt im Führungsteam beträgt 25 Prozent. Menschen mit Behinderungen machen derzeit 3,85 Prozent unseres gesamten Teams aus – im nächsten Schritt möchten wir diesen Anteil auf 4 Prozent erhöhen.


Welche Werte sind Ihnen dabei im Arbeitsalltag besonders wichtig?

Die bereits genannte Gemeinsamkeit bei IKEA, das „Togetherness“, leben wir im Arbeitsalltag sehr aktiv.

Denn nur wenn sich alle mit allen Facetten ihrer eigenen Identität einbringen können, werden unterschiedliche Perspektiven wirklich sichtbar – und echte Innovation entsteht.

IKEA beschäftigt sich stark mit dem Zuhause und dem Alltag der Menschen. Was bedeutet „Zuhause“ aus Ihrer Sicht für Menschen, die vielleicht nicht immer selbstverständlich dazugehören oder sich sicher fühlen?

Das Zuhause ist der sichere Ort, an dem man sich respektiert fühlt, an dem man so sein kann, wie man ist, an dem man sich in eine Gemeinschaft einbringen kann, an dem man voneinander lernt und wo auch Fehler passieren dürfen.

Das Zuhause ist für mich auch der Ort, an dem die persönliche Meinung ganz selbstverständlich wertgeschätzt wird.

Wie kann Gestaltung, Einrichtung oder ein zugänglicher Alltag dazu beitragen, dass Menschen mehr Selbstständigkeit, Würde und Lebensqualität erleben?

Ein Zuhause sollte Menschen ermöglichen, ihren Alltag selbstständig und mit Freude zu gestalten. Dazu braucht es Einrichtung, die funktional, schön, nachhaltig, in bester Qualität und leistbar ist.

Wir bei IKEA nennen das „demokratisches Design“. Denn unsere Vision ist, den Alltag für die vielen Menschen zu verbessern – nicht nur für die, die es sich leisten können.

Unsere Produkte, etwa clevere Aufbewahrungslösungen, helfen dabei, auch auf kleinem Raum gut zu leben. Und wir teilen Ideen, wie man Produkte smart nutzen kann, um das Leben einfacher und schöner zu machen.

Was bedeutet Diversität für IKEA ganz konkret – im Unternehmen, im Team und gegenüber Kund:innen?

Ganz konkret bedeutet das für uns, dass wir als Team ein Abbild der Gesellschaft sind und sein wollen. Unser Team ermöglicht uns, die Bedürfnisse unserer Kund:innen besser zu verstehen und zu erfüllen. Wenn meine Kolleg:innen im Verkauf etwa Türkisch oder andere Sprachen sprechen, schafft das Nähe und Vertrauen – ein Mehrwert für beide Seiten.

Bei uns wird Vielfalt im Alltag gelebt, mit Respekt, Wertschätzung und Offenheit. Und wenn es einmal nicht so rund läuft, gelten klare Werte und Regeln, damit sich alle sicher fühlen und ihre Stärken einbringen können.

Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf, wenn es um Inklusion, Gleichstellung und Barrierefreiheit geht?

Wir lernen laufend dazu. Unser Pilotprojekt zur Stillen Stunde in Vösendorf in Niederösterreich ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie wir gemeinsam mit Partnerorganisationen das Einkaufserlebnis für neurodivergente Menschen weiterentwickeln und verbessern.

Der Start war sehr erfolgreich und wir sehen darin einen wichtigen Schritt, um unser Angebot künftig noch inklusiver und barrierefreier zu gestalten.

Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit Menschen in verletzlichen Lebenssituationen nicht zusätzlich Ausgrenzung oder Beschämung erleben?

Bei IKEA bieten wir allen Mitarbeitenden ein kostenloses Employee Assistance Program an, das professionelle Beratung und Begleitung in herausfordernden Lebenssituationen oder Lebensphasen ermöglicht.

Wichtig ist uns auch, Bewusstsein zu schaffen – denn das Leben kann sich von einem Tag auf den anderen stark verändern. Mit regelmäßigen Schulungen und sogenannten Listening Rounds fördern wir dieses Bewusstsein und ermutigen zu Offenheit, aktivem Zuhören und echtem Interesse, statt vorschnellen Annahmen.

Unsere Führungskräfte nehmen die individuellen Bedürfnisse unserer Mitarbeitenden achtsam und unvoreingenommen wahr und finden gemeinsam Lösungen, die für alle gut tragbar sind.

Ebenso wichtig sind Safe Spaces – sichere Umgebungen, in denen sich Menschen wohl und wertgeschätzt fühlen, auch wenn sie gerade eine herausfordernde Lebensphase erleben.


Dabei unterstützen uns die Expertise unserer Arbeitspsycholog:innen und Arbeitsmediziner:innen, die professionelle Begleitung und Ansprechbarkeit sicherstellen.

Welche Rolle spielen Alltag, Wohnraum und ein respektvolles Umfeld für Menschen, die Pflege, Unterstützung oder Sicherheit brauchen?

Gerade in sensiblen Lebenssituationen ist das Zuhause ein entscheidender Ort der Stabilität und Geborgenheit.

Möbel, Farben und Materialien können gezielt dazu beitragen, dass Menschen sich wohl, sicher und aufgehoben fühlen. Und das trägt wesentlich zum seelischen Wohlbefinden bei.

Welche Verantwortung tragen große Unternehmen für ein respektvolles und inklusives Miteinander?

Große – und auch kleine – Unternehmen haben die Verantwortung, Vielfalt nicht nur zu fördern, sondern im Arbeitsalltag auch aktiv zu leben.

Sie können andere inspirieren, Ideen teilen und gemeinsam dazu beitragen, dass wir in Österreich ein gutes, respektvolles Miteinander schaffen.

Wir setzen klare Ziele – zum Beispiel die Parität in Führungspositionen – und leben seit vielen Jahren flexible Arbeitsmodelle, auch in Leitungsfunktionen.

Mit Initiativen wie „Skills for Employment – Refugees“ zeigen wir, dass gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen.

Und durch klare Rahmenbedingungen und Beschwerdewege schaffen wir Sicherheit und Orientierung für alle.

Welche Initiativen, Werte oder Schwerpunkte von IKEA passen aus Ihrer Sicht besonders gut zu diesem Thema?

Wir bleiben konsequent dran, etwa beim Thema Gender Equality, wo wir offen über Probleme wie den Care Work Gap sprechen. Ebenso sind unser Engagement für Menschen mit Fluchthintergrund und der Schwerpunkt Disability zentrale Themen, bei denen wir eng mit dem Sozialministerium und NEBA zusammenarbeiten.

Vielfalt ist bei uns kein Projekt, sondern Teil unserer DNA.

Warum ist Vernetzung zwischen Unternehmen, sozialen Organisationen und Zivilgesellschaft wichtig?

Echter Fortschritt entsteht im Dialog und im Austausch. Wenn Unternehmen und Organisationen ihre unterschiedlichen Perspektiven und Expertisen teilen, werden Maßnahmen wirkungsvoller.

Vernetzung ist die Basis für Inspiration und gegenseitiges Lernen – und genau das brauchen wir, um Vielfalt aktiv und nachhaltig zu leben.

Was braucht es, damit Zusammenarbeit im Diversity-Bereich wirklich Wirkung entfalten kann?

Offenheit, Ehrlichkeit und Kontinuität. Es braucht die Bereitschaft, auch über Dinge zu sprechen, die nicht funktioniert haben, und den Mut, neue Ansätze auszuprobieren.

Wirkliche Veränderung entsteht nicht über Nacht. Aber sie entsteht, wenn man mutig dranbleibt.

Was motiviert Sie, dranzubleiben?

So bunt und vielfältig wie unsere Produkte sind auch wir Menschen mit all unseren Facetten. Diese Vielfalt ist meine tägliche Motivation. Ich bin überzeugt davon, dass jede:r eine einzigartige Perspektive mitbringt – und genau diese Unterschiedlichkeit macht unser Miteinander so wertvoll.

Was gibt Ihnen Hoffnung?

Dass Vielfalt bei IKEA längst Teil unserer DNA ist.

Wir arbeiten seit Jahren an Themen wie Gender, Disability und Ethnicity – inspiriert von unserem Gründer Ingvar Kamprad und seinem Grundsatz „for the many, by the many“.

Hoffnung gibt mir, dass wir gemeinsam mit anderen Unternehmen an einem inklusiven Morgen für alle arbeiten.

Was wir als Diversity Care Wien daraus mitnehmen

Das Gespräch mit Nicole Steger zeigt sehr deutlich: Diversität beginnt nicht erst bei großen Konzepten, Kampagnen oder Strategien. Sie beginnt dort, wo Menschen sich sicher fühlen. Dort, wo sie sich nicht verstellen müssen. Dort, wo sie mit ihren Erfahrungen, Bedürfnissen und Lebensrealitäten ernst genommen werden.

Für Diversity Care Wien ist dieser Gedanke besonders nahe. Denn auch in der Pflege erleben wir täglich, wie wichtig sichere Räume sind – nicht nur im räumlichen Sinn, sondern auch menschlich. Menschen, die krank sind, Unterstützung brauchen oder schon Ausgrenzung erlebt haben, brauchen mehr als Versorgung. Sie brauchen Vertrauen. Sie brauchen Respekt. Und sie brauchen das Gefühl: Ich darf hier so sein, wie ich bin.

Der Blick von IKEA auf Zuhause, Alltag und Teilhabe zeigt, wie eng Gestaltung, Würde und Selbstbestimmung miteinander verbunden sind. Ein Zuhause kann Schutzraum sein. Ein Arbeitsplatz kann Zugehörigkeit ermöglichen. Ein respektvolles Umfeld kann Menschen stärken – gerade dann, wenn das Leben herausfordernd wird.

Wir nehmen aus diesem Gespräch mit: Vielfalt wird dort wirksam, wo sie im Alltag gelebt wird. In Sprache. In Führung. In Räumen. In Entscheidungen. In der Bereitschaft zuzuhören. Und in der Haltung, dass Veränderung möglich ist, wenn Menschen mutig dranbleiben.

Über Nicole Steger

Nicole Steger ist Equality, Diversity & Inclusion Leader bei IKEA Österreich. Sie verantwortet österreichweit die Themen Vielfalt, Inklusion und Gleichbehandlung und setzt sich für eine offene, respektvolle und chancengerechte Unternehmenskultur ein.

Weitere Informationen: IKEA Österreich – Gleichberechtigung, Inklusion & Vielfalt

Diversity Care Wien bedankt sich herzlich bei Nicole Steger, ihrer Assistenz Christina und IKEA Österreich für die offenen Einblicke und die wertvolle Perspektive auf Vielfalt, Inklusion, Zuhause, Alltag und gesellschaftliche Verantwortung.

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