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Anna-Maria Hillgartner von Henkel: Wie wir Zugehörigkeit und Chancengleichheit stärken können

vor 9 Stunden
5 Min. Lesezeit

„Für die Arbeitswelt der Zukunft wünsche ich mir, dass Menschen aufgrund ihrer Fähigkeiten, ihres Potenzials und ihrer Motivation beurteilt werden und nicht aufgrund von Schubladen, in die wir sie teilweise unbewusst einordnen.“ 

Foto: Anna-Maria Hillgartner © Henkel | Hintergrund- und S/W-Bearbeitung: Diversity Care Wien
Foto: Anna-Maria Hillgartner © Henkel | Hintergrund- und S/W-Bearbeitung: Diversity Care Wien

Recruitment Partner & Employer Branding Specialist bei Henkel in Österreich,

spricht mit Diversity Care Wien in der Beitragsreihe Diversity Voices Wien über gelebte Inklusion, glaubwürdiges Employer Branding und die Kraft unterschiedlicher Perspektiven. Vielfalt zeigt sich nicht allein in Unternehmenswerten. Sie wird dort spürbar, wo Menschen einander zuhören, unterschiedliche Erfahrungen einbringen können und faire Möglichkeiten erhalten, sich zu entwickeln. Wie lässt sich dafür im Arbeitsalltag Raum schaffen?


Darüber sprechen wir mit Anna-Maria Hillgartner. Sie beschäftigt sie sich damit, wie Henkel neue Mitarbeiter:innen gewinnt und als Arbeitgeber wahrgenommen wird. Zugleich leitet sie eine Arbeitsgruppe für Diversity, Equity & Inclusion (DEI) in Österreich.


Verantwortung beginnt im eigenen Unternehmen

Henkel ist ein international tätiges Unternehmen, dessen Marken viele Menschen täglich begleiten. Welche gesellschaftliche Verantwortung ist aus Ihrer Sicht mit dieser Reichweite verbunden?

Zunächst müssen wir mit unseren Marken und Technologien deren Leistungsversprechen tagtäglich halten. Als internationales Unternehmen erreichen wir viele Menschen – Kund:innen, Konsument:innen und Mitarbeiter:innen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Perspektiven und Lebensrealitäten. Damit geht für mich die Verantwortung einher, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Vielfalt wertgeschätzt und Chancengleichheit gefördert wird.

Durch unsere Reichweite können wir zugleich gesellschaftlich relevante Themen sichtbar machen, etwa Nachhaltigkeit als einen unserer Unternehmenswerte. Entscheidend ist für mich, solche Werte nicht nur nach außen zu kommunizieren, sondern sie tatsächlich zu leben. Nur was wir intern umsetzen und vorleben, können wir glaubwürdig nach außen tragen.

Welche Bedeutung haben Vielfalt, Inklusion und Chancengleichheit für Henkel und wie werden diese Werte im Arbeitsalltag konkret erlebbar?

Diese Themen haben bei Henkel einen hohen Stellenwert. Wir möchten Bewusstsein schaffen und unseren Mitarbeiter:innen, besonders auch Führungskräften, entsprechendes Wissen vermitteln.

Dafür gibt es Formate und Angebote zu Themen wie Inclusive Leadership, Disability Inclusion, Unconscious Bias oder zur Zusammenarbeit unterschiedlicher Generationen. Veranstaltungen und Initiativen schaffen zusätzliche Aufmerksamkeit und ermöglichen den Austausch untereinander.

Sie leiten bei Henkel eine eigene DEI-Arbeitsgruppe. Welche Aufgaben verfolgt dieses Gremium und welche Veränderungen konnten Sie dadurch bereits anstoßen?

Unser DEI SteerCo in Österreich besteht aus Mitarbeiter:innen unterschiedlicher Abteilungen und Unternehmensbereiche. Sie bringen verschiedene Perspektiven und Ideen ein.

Wir greifen unterschiedliche Dimensionen von Diversity, Equity & Inclusion auf und schaffen mit Initiativen über das Jahr hinweg Raum für Aufmerksamkeit und Austausch. Dazu zählen etwa ein Queer-Tango-Workshop im Pride Month und Aktivitäten rund um den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen. Solche Formate machen Themen greifbarer und regen Gespräche an.

Was braucht es, damit Diversity, Equity & Inclusion nicht nur in Strategien und Leitbildern festgehalten, sondern von Führungskräften und Mitarbeiter:innen tatsächlich gelebt werden?

Eine Strategie und klare Ziele sind wichtig, reichen allein aber nicht aus. Entscheidend ist, wie diese Themen im täglichen Miteinander gelebt werden. Führungskräfte haben dabei eine wichtige Vorbildfunktion und können eine offene, inklusive Zusammenarbeit wesentlich fördern.

Es braucht auch Raum für unterschiedliche Sichtweisen. Wir organisieren beispielsweise Podiumsgespräche mit Menschen verschiedener Generationen. Dabei wird oft deutlich, wie unterschiedlich bestimmte Themen wahrgenommen werden und wie viel wir voneinander lernen können. Ebenso wichtig finde ich es, die eigene Sichtweise immer wieder zu hinterfragen.

Unterschiedliche Perspektiven, faire Möglichkeiten

Welche Bedeutung hat ein vielfältiges Team für die Innovationskraft, die Unternehmenskultur und den wirtschaftlichen Erfolg eines international tätigen Unternehmens?

Vielfältige Teams bringen unterschiedliche Perspektiven und Wissen in den Innovationsprozess ein. Daraus können neue Ideen entstehen. Wenn alle sehr ähnlich denken, besteht eher die Gefahr, in denselben Denkmustern zu verharren.

Für ein internationales Unternehmen, das in vielen Märkten tätig ist und unterschiedliche Konsument:innen erreicht, sind diese anderen Blickwinkel besonders wertvoll.

Wie sorgt Henkel dafür, dass Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, Identitäten und Lebensrealitäten faire berufliche Chancen erhalten und sich langfristig zugehörig fühlen?

Wir möchten Mitarbeiter:innen ermöglichen, sich entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten, Interessen und ihrem Potenzial weiterzuentwickeln. Unterschiedliche Hintergründe oder Lebensrealitäten sollen dabei keine Barriere sein. Im Mittelpunkt stehen die vorhandenen Stärken und die Frage, wie Menschen sie weiterentwickeln können. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, den eigenen Karriereweg mitzugestalten, persönlich zu wachsen und sich mit Kolleg:innen zu vernetzen.

Zu Chancengleichheit gehört für mich auch ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen sich zugehörig fühlen und voneinander lernen können. Ein Beispiel ist unser Language Café: Dort üben Kolleg:innen gemeinsam Deutsch, Italienisch oder Spanisch. So entstehen auch außerhalb des eigenen Teams Kontakte.

Als Recruitment Partner & Employer Branding Specialist beschäftigen Sie sich intensiv mit der Gewinnung neuer Mitarbeiter:innen. Wie wichtig sind eine glaubwürdige Haltung zu Vielfalt und eine inklusive Unternehmenskultur heute bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber?

Für viele Bewerber:innen zählen neben Position und Gehalt auch das Unternehmen selbst, seine gelebten Werte und die Entwicklungsmöglichkeiten.

Im Employer Branding ist Glaubwürdigkeit entscheidend. Allgemein über Diversity zu sprechen, reicht nicht aus. Viel wichtiger ist es, zu zeigen, wie Vielfalt und Inklusion im Unternehmen tatsächlich gelebt werden. Einblicke in den Arbeitsalltag, unterschiedliche Karrierewege und konkrete Initiativen können das besonders gut vermitteln.

Viele Unternehmen kommunizieren ihr Engagement für Vielfalt nach außen. Woran erkennen Bewerber:innen und Mitarbeiter:innen, ob dieses Engagement tatsächlich glaubwürdig und nachhaltig ist?

Daran, ob das, was nach außen kommuniziert wird, auch intern gelebt wird. Gibt es konkrete Maßnahmen? Werden Führungskräfte und Mitarbeiter:innen geschult? Gibt es Entwicklungsangebote und Möglichkeiten, sich einzubringen?

Wichtig ist auch anzuerkennen, dass DEI ein Entwicklungsprozess ist. Kein Unternehmen ist bei allen Themen irgendwann einfach „fertig“. Glaubwürdigkeit zeigt sich ebenso darin, Maßnahmen regelmäßig zu hinterfragen und sich weiterzuentwickeln.

Neugier aufeinander bewahren

Gibt es ein Projekt, eine Initiative oder eine Entwicklung im Bereich DEI, die Ihnen bei Henkel besonders am Herzen liegt?

Wenn ich eine Initiative aus diesem Jahr auswählen müsste, wäre es unser „Around the World“-Event. Mitarbeiter:innen konnten ihre Herkunftsländer und Kulturen in einer Art Messeformat vorstellen  mit persönlichen Einblicken und kulinarischen Spezialitäten.

Besonders schön fand ich, mit wie viel Begeisterung Kolleg:innen ihren kulturellen Hintergrund präsentiert haben und wie groß das Interesse war. Für mich zeigt das, was Diversity im Alltag bedeuten kann: neugierig aufeinander zu sein, voneinander zu lernen und Unterschiede gemeinsam zu feiern.

Wo sehen Sie trotz bisheriger Fortschritte noch Herausforderungen, innerhalb von Unternehmen, aber auch gesamtgesellschaftlich?

Chancengleichheit entsteht nicht automatisch, nur weil wir sie grundsätzlich befürworten. Wir alle haben unbewusste Denkmuster und Vorurteile. Sie können beeinflussen, wie wir andere Menschen wahrnehmen und welche Entscheidungen wir treffen.

Deshalb sollten Unternehmen und jede einzelne Person die eigenen Sichtweisen immer wieder hinterfragen. Auch gesellschaftlich haben Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihres Alters, einer Beeinträchtigung oder anderer Merkmale weiterhin unterschiedliche Chancen. Umso wichtiger ist es, zuzuhören und Perspektiven ernst zu nehmen, die nicht der eigenen Lebensrealität entsprechen.

Ganz persönlich gefragt: Was motiviert Sie, sich für Vielfalt und Chancengleichheit einzusetzen, und welche Veränderung würden Sie sich für die Arbeitswelt der Zukunft besonders wünschen?

Mich motiviert die Überzeugung, dass unsere Unterschiede eine Stärke sein können. Wir Menschen sind alle unterschiedlich und besonders. In Summe macht genau das für mich auch unsere Gesellschaft aus. Wir müssen nicht alle gleich sein. Gerade durch unsere Unterschiede können wir voneinander lernen, uns weiterentwickeln und gemeinsam wachsen.

Für die Arbeitswelt der Zukunft wünsche ich mir, dass Menschen aufgrund ihrer Fähigkeiten, ihres Potenzials und ihrer Motivation beurteilt werden – nicht aufgrund von Schubladen, in die wir sie teilweise unbewusst einordnen. Viel wäre erreicht, wenn Vielfalt irgendwann nicht mehr als Besonderheit betrachtet würde, sondern ganz selbstverständlich zur Arbeitswelt gehörte.

Was wir als Diversity Care Wien aus dem Gespräch mitnehmen können?

Glaubwürdigkeit beginnt im Inneren einer Organisation. Wer Vielfalt nach außen sichtbar macht, muss auch im Alltag Möglichkeiten schaffen, sie zu leben. Schulungen, Austauschformate und Entwicklungsmöglichkeiten sind dafür konkrete Ansatzpunkte. Ebenso zählt die Bereitschaft, Maßnahmen zu überprüfen und dazuzulernen.

Das Gespräch zeigt auch, welche Rolle Führungskräfte spielen: Sie prägen, ob unterschiedliche Sichtweisen willkommen sind und Menschen ihre Stärken einbringen können. Formate wie das Language Café oder das „Around the World“-Event schaffen Begegnungen, aus denen Verständnis und Zugehörigkeit wachsen können.

Für Diversity Care Wien ist besonders der Gedanke wichtig, die eigene Perspektive nicht für die einzige zu halten. Das gilt für die Zusammenarbeit im Team ebenso wie für die Begegnung mit Menschen, die wir begleiten. Zuhören, Lebensrealitäten ernst nehmen und Menschen nicht vorschnell einordnen: So wird aus einer Haltung konkretes Handeln.

Danke an Anna-Maria Hillgartner und Henkel für die Zeit, die offenen Antworten und die Einblicke in die Arbeit an Vielfalt und Chancengleichheit.


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