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karriere.at – Maresa Mayer: Wie Stelleninserate Türen öffnen und wo Hürden bleiben

vor 11 Stunden
4 Min. Lesezeit

Foto: Maresa Mayer  © Schaller-Berger K. | Hintergrund- und S/W-Bearbeitung: Diversity Care Wien
Foto: Maresa Mayer  © Schaller-Berger K. | Hintergrund- und S/W-Bearbeitung: Diversity Care Wien

Maresa Mayer, PR-Managerin bei karriere.at, über inklusive Stelleninserate, Barrierefreiheit und Diskriminierung bei der Jobsuche.


„ …das zeigt, dass es im Bereich der Antidiskriminierung beim Recruiting noch Nachholbedarf gibt.“ - Maresa Mayer, PR-Managerin bei karriere.at


Ein Stelleninserat ist oft die erste Begegnung mit einem möglichen neuen Arbeitsplatz. Welche Menschen werden darin sichtbar? Wer fühlt sich angesprochen? Und welche Erwartungen vermitteln Sprache und Bilder, noch bevor ein persönliches Gespräch stattfindet?

Für Diversity Voices Wien haben wir mit Maresa Mayer, PR-Managerin bei karriere.at, über die gesellschaftliche Verantwortung einer Jobplattform gesprochen. Im Mittelpunkt stehen Entwicklungen in österreichischen Stelleninseraten, die Darstellung von Vielfalt und die Frage, wie berufliche Chancen zugänglicher werden können.

Für Diversity Care Wien berührt das einen wesentlichen Teil gesellschaftlicher Teilhabe: Menschen mit ihren Fähigkeiten wahrzunehmen und ihnen respektvoll zu begegnen. Unsere Mission „Wir pflegen Vielfalt. Wir leben Menschlichkeit. Wir bauen Brücken.“ verbindet sich dabei mit der Frage, wie Organisationen Zugänge schaffen und Barrieren abbauen.

karriere.at bringt täglich Unternehmen und Jobsuchende zusammen. Welche gesellschaftliche Verantwortung ist aus Ihrer Sicht mit dieser Rolle verbunden?

Wir verstehen uns als vermittelnde Plattform zwischen Unternehmen und Arbeitnehmer:innen und arbeiten tagtäglich daran, die Kommunikation zwischen beiden Seiten zu optimieren. Unternehmen sollen sich und ihre offenen Positionen authentisch präsentieren können, sodass sie die geeignetsten Kandidat:innen erreichen und diese sich angesprochen fühlen und bestenfalls direkt bewerben.

Jobsuchende sollen umgekehrt eine Stelle finden, die zu ihnen und ihren Talenten passt, und sich mit ihrem Profil bei Unternehmen bestmöglich präsentieren können.

Der Arbeitsmarktreport 2026 beschäftigt sich auch mit Diversity, Equity, Inclusion und Belonging. Welche Entwicklungen lassen sich in österreichischen Stelleninseraten erkennen?

Wir analysieren Entwicklungen in Österreich im Bereich Diversity, Equity, Inclusion and Belonging (DEIB) im Rahmen des karriere.at Arbeitsmarktreports bereits seit mehreren Jahren.

Um herauszufinden, wie viele Stelleninserate auf karriere.at ausdrücklich darauf hinweisen, dass das jeweilige Unternehmen DEIB fördert, durchsuchen wir die Inserate nach Begriffen wie „Vielfalt“, „Chancengleichheit“, „Behinderung“ oder „Bewerbungen von Frauen“.

Dabei hat sich gezeigt, dass im Kalenderjahr 2025 jede dritte Stellenausschreibung einen solchen Begriff enthielt. Dieser Anteil steigt von Jahr zu Jahr. 2020 waren es erst 14 Prozent der Stellenangebote. Aus unserer Sicht lässt das auf eine gesteigerte Sensibilität für diese Themen in den Unternehmen schließen.

Sie analysieren regelmäßig eine sehr große Zahl an Stelleninseraten. An welchen Formulierungen, Bildern oder Kriterien lässt sich erkennen, ob Unternehmen unterschiedliche Menschen tatsächlich ansprechen möchten?

Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich Personen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, Behindertenstatus, unterschiedlicher Herkunft, Sexualität und Religion im Unternehmen wohlfühlen, hat laut einer karriere.at-Umfrage unter rund 400 Personalverantwortlichen in 53 Prozent der Betriebe einen sehr oder eher großen Stellenwert. Gerade einmal fünf Prozent der Befragten gaben an, dass dieses Thema in ihren Unternehmen gar keine Relevanz hat.

Viele Unternehmen weisen in Stelleninseraten bewusst darauf hin. Üblicherweise erkennt man das an den Formulierungen und der Bildsprache: Wird inklusive Sprache verwendet? Werden genderneutrale Bilder eingesetzt, die eine diverse Belegschaft zeigen?

Wenn man als Bewerber:in Bedenken hat, ob man zu einem Unternehmen passt, rate ich dazu, sich entsprechende Fragen vorab für das Bewerbungsgespräch zu überlegen.

Stelleninserate sind häufig der erste Kontakt zwischen einem Menschen und einem Unternehmen. Was können Unternehmen konkret verändern, damit sich mehr Menschen angesprochen und zur Bewerbung ermutigt fühlen?

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – tatsächlich wird durch die Auswahl der Bilder sehr viel transportiert, sowohl an Information als auch an Emotion. Und die Fotos sind auch das Erste, was Jobsuchenden ins Auge sticht.

Wir empfehlen Unternehmen, echte Mitarbeiter:innen an echten Arbeitsorten zu zeigen und dabei die tatsächliche Vielfalt in der Belegschaft bestmöglich darzustellen. Teilweise werden klassische Rollenbilder bedient: Man sieht auf Bildern zum Beispiel Frauen in Assistenzrollen oder Männer an Maschinen. Daher versuchen wir, für eine genderneutrale Bildsprache zu sensibilisieren.

Auch wenn ein Team eher homogen ist, heißt das nicht automatisch, dass es sich nicht um mehr Diversität bemüht. Aber dieser Eindruck kann rasch entstehen. Daher sollte man gegebenenfalls nachfragen.

Welche Verantwortung tragen Jobplattformen selbst, wenn es um Barrierefreiheit, faire Sichtbarkeit und einen möglichst diskriminierungsfreien Zugang zu beruflichen Chancen geht?

Das Barrierefreiheitsgesetz stellt eindeutige Anforderungen an digitale Angebote, darunter auch Stelleninserate auf karriere.at.

Barrierefreiheit im Bereich der Stellenangebote bedeutet, dass sich diese durch eine klare Struktur und gute Lesbarkeit, einfache Bedienung auf unterschiedlichen Geräten sowie eine optimierte Darstellung für Bildschirmlesehilfen auszeichnen. Damit erfüllen wir unsere gesetzliche Pflicht und tragen zu einem inklusiven Arbeitsmarkt bei.

Gab es bei Ihren Analysen zum österreichischen Arbeitsmarkt eine Erkenntnis, die Sie persönlich besonders überrascht, gefreut oder auch nachdenklich gemacht hat?

Was mich wirklich schockiert, ist, wie ausgeprägt Diskriminierung bei der Jobsuche laut Studien auch heute noch ist. Da werden Lebensläufe, die bis auf das Foto, den Namen oder das Geburtsdatum identisch sind, ganz unterschiedlich beurteilt. Das zeigt, dass es im Bereich der Antidiskriminierung beim Recruiting noch Nachholbedarf gibt.

Was wir als Diversity Care Wien aus dem Gespräch mitnehmen können

Inklusive Kommunikation beginnt bereits vor dem ersten persönlichen Kontakt. Unternehmen können ihre Stelleninserate darauf prüfen, wen ihre Sprache und ihre Bilder ansprechen und welche Rollenbilder sie vermitteln. Echte Mitarbeiter:innen an ihren tatsächlichen Arbeitsorten zu zeigen, macht den Arbeitsalltag greifbarer. Entscheidend ist, die vorhandene Vielfalt authentisch darzustellen. Zugleich lohnt es sich für Jobsuchende, offene Fragen zur Unternehmenskultur im Bewerbungsgespräch anzusprechen: Ein Bild allein erzählt noch nicht die ganze Geschichte eines Teams.

Barrierefreiheit gehört ebenso zu einem zugänglichen Bewerbungsprozess. Klare Strukturen, gut lesbare Inhalte und die Nutzbarkeit mit Bildschirmlesehilfen betreffen unmittelbar die Möglichkeit, sich über eine Stelle zu informieren. Für Organisationen ergibt sich daraus eine konkrete Aufgabe: Neben dem Inhalt eines Inserats muss auch dessen Bedienbarkeit Aufmerksamkeit erhalten. Eine Einladung zur Bewerbung muss für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen erreichbar sein.

Der steigende Anteil an DEIB-Begriffen zeigt nach Einschätzung von karriere.at eine wachsende Sensibilität. Aus ihrer Verwendung allein lässt sich jedoch noch nicht ableiten, wie Bewerbungen tatsächlich beurteilt werden. Die im Gespräch angesprochene Diskriminierung macht deutlich, weshalb auch Auswahlentscheidungen kritisch hinterfragt werden müssen. Für Diversity Care Wien liegt darin eine Verbindung zur eigenen Haltung: Menschen mit ihren Fähigkeiten, Bedürfnissen und Lebensgeschichten wahrzunehmen. Respekt und Zugehörigkeit werden dort konkret, wo diese Haltung alltägliche Entscheidungen prägt.


Danke

Frau Mayer, herzlichen Dank für Ihre Zeit, Ihre Offenheit und die persönlichen Einblicke. Wir bedanken uns bei Ihnen und karriere.at für das Gespräch über Vielfalt und faire Chancen in der Arbeitswelt.

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